PCOS

Ernährungsphysiologische Unterstützung bei PCOS: Inositol

Patientinnen mit polyzystischem Ovarsyndrom (PCOS) könnten möglicherweise von bestimmten Mikronährstoffen, den sogenannten Inositolen profitieren. Diese spielen eine wichtige Rolle bei der Wirkung des Blutzuckerhormons Insulin.

Erst Ende des 20. Jahrhunderts gab es Hinweise darauf, dass es bei PCOS-Patientinnen zu einer fehlerhaften Signalweiterleitung am Insulinrezeptor kommt.

Man darf sich das vereinfacht so vorstellen: Wenn wir kohlenhydrathaltige Lebensmittel verzehren, so gelangen diese als Zucker in unser Blut. Um die Zucker zur Energiegewinnung nutzen zu können, müssen sie zunächst aus dem Blut wiederum in die Zellen gelangen.

Dazu benötigt es ein Signal, es muss also gleichsam jemand an der Tür der Zelle auf den Klingelknopf drücken. Dies übernimmt das in der Schilddrüse gebildete Hormon Insulin.

Im Inneren der Wohnung (der Zelle) wird das Drücken des Klingelknopfes jedoch nur wahrgenommen, wenn auch ein Signal ertönt, also ein Klingeln. Im Falle unserer Zellen nutzt Insulin hier weitere Botenstoffe, die sogenannten Inositole.

Erst wenn sie in der Zelle freigesetzt werden, „hört“ die Zelle, dass jemand an der Tür ist und „öffnet“ die Tür, sodass nun der Zucker in die Zelle gelangen kann.

Bei PCOS scheint quasi die Türglocke defekt zu sein (um einmal bei diesem Bild zu bleiben), Mediziner sprechen von Insulinresistenz. Um sich dennoch Gehör zu verschaffen, versucht der Körper nun (ähnlich wie viele Menschen an einer kaputten Klingel), einfach wieder und wieder auf die Klingel zu drücken – er produziert immer mehr Insulin, um doch noch eine Reaktion zu erhalten – ein Teufelskreis entsteht!

Dem kann nun auf mehreren Ebenen entgegen gewirkt werden. Neben der Behandlung der Symptome, versucht man den Ursachen zu Leibe rücken, indem durch den Lebensstil und die Ernährung dafür gesorgt wird, dass es gar nicht erst zur Ansammlung großer Mengen an Zucker im Blut kommt.
Ergänzend dazu kann auch versucht werden, die „Türglocke“ aus unserem Beispiel wieder hörbar zu machen. Ein Weg dazu liegt in der Bereitstellung der intrazellulären Botenstoffe. Die zusätzliche Einnahme von Inositol ist nämlich in vielen Fällen geeignet, um gleichsam die Türglocke, also das Signal in der Zelle, welches darauf hinweist, dass Insulin „klingelt“, wieder besser arbeiten zu lassen.

Der sekundäre Botenstoff Inositol spielt im Insulinstoffwechsel in zwei sogenannten Isoformen eine Rolle: Myo- Inositol (MI) und D-Chiro-Inositol (DCI). Beide gehören zur Familie der Zucker und unterscheiden sich lediglich durch die räumliche Anordnung ihrer OH-Gruppen. Sie kommen natürlicherweise in vielen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln vor und werden normalerweise auch von unserem Körper selbst hergestellt. Im Körper haben sie leicht unterschiedliche Rollen. In der Leber sind beide wichtig für den Insulinstoffwechsel, wobei Myo-Inositol die Aufnahme von Glukose in die Zellen vermittelt und D-Chiro-Inositol die Glykogen-Synthese fördert. In den Eierstöcken sind die Aufgaben noch unterschiedlicher. Hier fungiert MI wiederum primär als Vermittler für die Glukoseaufnahme, ist aber auch wichtig für die Wirkung von Follikel-stimulierendem Hormon (FSH). DCI hingegen sorgt dafür, dass in Abhängigkeit von Insulin Androgene (männliche Geschlechtshormone) produziert werden. Bei PCOS Patientinnen scheint das Problem nun vorwiegend in einem Ungleichgewicht zwischen beiden Isomeren zu liegen, die physiologischerweise im Körper ineinander umgewandelt werden können (Nestler und Unfer, 2015).

Während man in ersten Studien sehr vielversprechende Erfolge mit dem Einsatz einer der beiden Isoformen verzeichnen konnte (MI war bei fehlenden Nebenwirkungen laut Raffone und seinen Kollegen (2010) Metformin sogar überlegen), so geht der Trend insbesondere bei Patientinnen mit Kinderwunsch nunmehr dahin, beide Isoformen in ihrem physiologischen Verhältnis von 40:1 (MI:DCI) einzusetzen (Nestler und Unfer, 2015):

Colazingari S et al, 2013:”Die Daten zeigen deutlich, dass nur die kombinierte Therapie Eizell- und Embryonenqualität, sowie Schwangerschaftsraten, bei PCOS-Patientinnen in IVF-Behandlung zu verbessern mochte.”
Dinicola S et al, 2014: “die Verknüpfung von MI/DCI, in einer Kombination, die die physiologische Ratio im Blutplasma nachempfindet (40:1), ermöglicht eine Behandlung sowohl auf systemischer als auch ovarieller Ebene. Dadurch stellt sie eine vielversprechende Alternative zum Erzielen besserer klinischer Ergebnisse dar.“
Nestler and Unfer, 2015: “…der zentrale Fokus in der Behandlung von PCOS liegt in der Anwendung von sowohl MI als auch DCI in einem angemessenen Verhältnis“.

 

Genau in diesem Verhältnis sind die beiden Isoformen gemeinsam mit weiteren ausgewählten Mikronährstoffen nun in einer Formulierung, die perfekt auf die Bedürfnisse von PCOS-Patientinnen abgestimmt ist, in Fertilovit F PCOS enthalten.

Über den Autor

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Die Diplom-Biologin und Ernährungsexperting Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky befasst sich seit vielen Jahren mit den Bedürfnissen von Kinderwunschpaaren. Für den „fruchtbarkeit-blog“ berichtet sie immer wieder in allgemein verständlicher Weise von aktuellen Forschungserkenntnissen rund um das Thema „Lifestyle und Ernährung bei Kinderwunsch.

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