Fruchtbarkeit von Frau & Mann Spermienqualität

Forscher schlagen Alarm: Dramatischer Rückgang der Spermienmenge in westlichen Industrieländern

Forscher aus 3 Kontinenten und 5 Ländern bestätigten nach der Auswertung von fast 200 Studien einen dramatischen Rückgang der Spermienmenge bei Männern aus Nordamerika, Europa, Australien und Neuseeland. In Rahmen einer Übersichtsarbeit, die im renommierten Fachmagazin Human Reproduction veröffentlicht wurde, untersuchten Wissenschaftler in einem der größten und detailliertesten Projekte zu diesem Thema die Daten von 185 Studien aus den Jahren 1973 bis 2011.
Der Erstautor dieser Arbeit, Dr Levine von der hebräischen Universität in Jerusalem, dokumentierte eine durchschnittliche Verringerung der Spermienkonzentration im Ejakulat um 52.4% und eine Reduzierung der Gesamtspermienmenge bei Männern aus westlichen Industrieländern um 59.3%. Ein Ende dieser Entwicklung scheint dabei nicht in Sicht…

 

Die Anzahl und Qualität von Spermien im Ejakulat eines Mannes sind eng verknüpft mit seiner Fähigkeit, ein gesundes Kind zu zeugen. Angesichts dieses Zusammenhangs nicht verwunderlich: Kinderwunschkliniken nehmen zu und immer mehr Paare nehmen die angebotene Hilfe in Anspruch. Eine männliche Einschränkung der Fruchtbarkeit trägt dabei in ca 60 % der Fälle zu der Problematik bei, so eine Expertenschätzung.
Die Menge und Qualität der Spermien ist Studien zufolge eng verknüpft mit verschiedenen Umweltfaktoren, wie beispielsweise der Belastung durch sogenannte endokrine Disruptoren, erhöhte Temperatur oder Pestizide, aber auch die Lebensführung hat einen großen Einfluss. Man weiß aus vielen Untersuchungen dass Rauchen, ein ungesundes Körpergewicht und die Ernährung die Samenqualität deutlich beeinflussen können.

 

Die Forscher folgern daher, dass der beobachtete Rückgang der Spermienmenge die Einflüsse der modernen Lebensumgebung und Lebensgewohnheiten auf die Gesundheit und Fruchtbarkeit eines Mannes widerspiegelt.
Sie sehen dringenden Handlungsbedarf, da der Trend bislang unvermindert anzuhalten scheint. Forderungen beinhalten sowohl die Finanzierung weiterer Studien zu dem Thema, aber vor allem auch eine engmaschigere Regulation schädlicher Chemikalien, sowie verbesserte Beratungsmaßnahmen, um Rauchen und Gewichtsproblemen bereits frühzeitig entgegen zu wirken.

 

Inzwischen kann jeder Mann selbst Einiges zu seiner Gesundheit und der seiner Spermien beitragen: Eine Zigarettenentwöhnung und ein gesundes Körpergewicht sind wichtige erste Schritte, grundsätzlich sollten Schadstoffe möglichst minimiert werden und gleichzeitig der Schutz der empfindlichen Spermien gefördert werden. Hierzu scheinen Untersuchungen zufolge insbesondere bestimmte Antioxidantien geeignet zu sein.

 

Quelle:

Levine H, Jorgensen N, Martino-Andrade A, Mendiola J, Weksler-Derri D, Mindlis I, Pinotti R, Swan SH. Temporal trends in sperm count: a systematic review and meta-regression analysis. Hum Reprod Update 2017; 1-14

Über den Autor

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Die Diplom-Biologin und Ernährungsexperting Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky befasst sich seit vielen Jahren mit den Bedürfnissen von Kinderwunschpaaren. Für den „fruchtbarkeit-blog“ berichtet sie immer wieder in allgemein verständlicher Weise von aktuellen Forschungserkenntnissen rund um das Thema „Lifestyle und Ernährung bei Kinderwunsch.

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