Fruchtbarkeit von Frau & Mann

Ovarielle Reserve

Am Anfang des Lebens: Die Eizelle

Am Anfang jedes neuen Lebens stehen ein Spermium und eine Eizelle.
Während die Spermien des Mannes fortwährend neu gebildet werden, wird eine Frau bereits mit all ihren Eizellen geboren (genauer: Primordialfollikel, aus denen sich fertige Eizellen entwickeln können). Mit zunehmendem Alter sinkt deren Anzahl, und auch ihre Qualität wird schlechter. Die biologische Uhr tickt… Wie schnell diese Abnahme jedoch voranschreitet, ist dabei individuell äußerst unterschiedlich.

Ovarielle Reserve bestimmen

Wenn Sie daher unsicher sind, wie schnell die biologische Uhr bei Ihnen persönlich wirklich tickt, so macht es Sinn, einmal feststellen zu lassen, wie es denn um Ihre ovarielle Reserve bestellt ist. Darunter versteht man den noch vorhandenen Pool an Primordialfollikeln in Ihren Eierstöcken. Bestimmt werden kann diese ovarielle Reserve durch eine einfache Untersuchung bei Ihrem Frauenarzt. Sie besteht aus einer Blutentnahme zur Hormonbestimmung und einer Ultraschalluntersuchung von Gebärmutter und Eierstöcken.

Wichtig: Für eine optimale Aussagekraft der ermittelten Werte sollte die Untersuchung zwischen dem 3.-5. Zyklustag erfolgen.

Welche Hormone werden bestimmt und was sagen die Werte aus?
Bestimmt werden FSH (Follikelstimulierendes Hormon, ein Hypophysenhormon) und Estradiol (Östrogen).
Die beiden Hormone sind für sich alleine genommen keine guten Indikatoren der Fertilität. Ein hoher FSH-Wert (>8 mIU/l) kombiniert mit einem niedrigen Estradiol-Spiegel (<50 pg/ml) in der ersten Zyklushälfte gelten jedoch als auffällige Werte für einen Rückgang der Fertilität.

Zum Verständnis: Die Höhe des FSH Wertes wird durch einen negative Feedbackmechanismus zwischen den Eierstöcken und der Hypophyse bestimmt. FSH aus der Hirnanhangsdrüse fördert die Reifung von Eizellen in den Eierstöcken. Während die Follikel wachsen, senden sie ihrerseits wiederum hormonelle Signale zurück zur Hypophyse, die letztendlich die weitere Freisetzung von FSH unterbinden. Gesunde Eierstöcke benötigen daher nur sehr geringe Mengen an FSH.

Das AMH ist ein Marker für die Größe der heranwachsenden Follikeln und damit der ovariellen Reserve. Der AMH Spiegel fällt mit dem Alter der Frau ab. Dieser Abfall ist schon einige Zeit vor einem FSH-Anstieg zu erkennen. Bei einem Wert unter 1,0 ng/ml verringert sich die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt erheblich.

Ultraschalluntersuchung

Im Ultraschall werden alle Follikel beider Eierstöcke in der frühen Follikelphase mit einem Durchmesser von 2 mm-10 mm zusammengezählt. Als gut ist ein Wert von 13 einzustufen. Allerdings ist der Normalwert von der Empfindlichkeit des Ultraschallgeräts und auch vom untersuchenden Arzt/Ärztin abhängig.

 

Eine neue Studie, die im Journal of the American Medical Association veröffentlicht wurde, warnt allerdings davor, die Untersuchungsergebnisse zu ernst zu nehmen. Nach Aussage der Autoren wurde die Untersuchung der ovariellen Reserve ursprünglich von Kinderwunschexperten entwickelt, um Vorhersagen darüber treffen zu können, wie eine Frau auf eine Stimulationsbehandlung reagieren würde, und nicht um die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Schwangerschaft zu bestimmen. Dafür seien die Tests nicht geeignet. Hier spielt nämlich nicht nur die Menge vorhandener Follikel, sondern vor allem deren Qualität, eine Rolle.

Die gute Nachricht

Die Anzahl der noch vorhandenen Follikel lässt sich auch nachträglich nicht mehr verändern, aber in der Phase, in der ein Primordialfollikel zur reifen Eizelle heranreift, kann eine Frau die Gesundheit und somit Qualität dieser Eizellen durch ihre Lebensführung und Ernährung entscheidend unterstützen und somit einen Beitrag zur Erfüllung ihres Kinderwunsches leisten.

 

Quelle:
Anne Z. Steiner, MD, MPH; David Pritchard, MS; Frank Z. Stanczyk, PhD; James S. Kesner, PhD; Juliana W. Meadows, PhD; Amy H. Herring, ScD; Donna D. Baird, PhD, MPH
Association Between Biomarkers of Ovarian Reserve and Infertility Among Older Women of Reproductive Age
JAMA. 2017;318(14):1367-1376. doi:10.1001/jama.2017.14588

Über den Autor

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Die Diplom-Biologin und Ernährungsexperting Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky befasst sich seit vielen Jahren mit den Bedürfnissen von Kinderwunschpaaren. Für den „fruchtbarkeit-blog“ berichtet sie immer wieder in allgemein verständlicher Weise von aktuellen Forschungserkenntnissen rund um das Thema „Lifestyle und Ernährung bei Kinderwunsch.

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