Allgemein Fruchtbarkeit von Frau & Mann

Ovarielle Reserve verbessern?

Die sogenannte ovarielle Reserve bezieht sich auf die Menge an Primordialfollikeln in den Eierstöcken einer Frau. Aus ihnen können sich bei Bedarf befruchtungsfähige Eizellen entwickeln. Leider nimmt ihre Menge mit zunehmendem Alter immer weiter ab und auch ihre Qualität verändert sich.

 

Während sich bereits „verlorene“ Primordialfollikel leider nicht mehr wieder herstellen lassen, so steht doch der Erhalt bzw die Verbesserung der Qualität der verbleibenden Follikel derzeit im Mittelpunkt vieler wissenschaftlicher Untersuchungen.

 

Um die besondere Bedeutung der Eizellqualität zu verstehen, muss man sich zunächst vergegenwärtigen, dass eine Eizelle eine sehr große Zelle ist, die einerseits aus einem Zellkern und andererseits aus dem diesen umgebenden Zytoplasma besteht. Der Zellkern enthält die wertvolle Erbinformation, das Zytoplasma ist unentbehrlich für den Stoffwechsel und die Energiebereitstellung der Eizelle.
Normalerweise wird besonders viel über die Bedeutung des Zellkerns und der Erbinformation gesprochen, dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass das Zytoplasma mindestens genauso wichtig ist: Während der ersten Zellteilungen nach der Befruchtung sind alle neu entstandenen Zellen vollständig von dem mütterlichen Zytoplasma abhängig. Jedes der sogenannten Blastomere erhält einen immer kleiner werdenden Anteil dieses mütterlichen Zytoplasmas, denn erst zu einem späteren Zeitpunkt kommen neue Zytoplasmabestandteile und Mitochondrien (Zellorganellen, die für die Energiebereitstellung zuständig sind) von den neuen Zellen selbst.

 

Daher haben Forscher in den letzten Jahren so einige Anstrengungen unternommen, um mehr darüber zu erfahren, welche Faktoren auf die Gesundheit der Eizellen und deren Zytoplasma einwirken. Einen negativen Einfluss haben demnach Alterungsvorgänge, oxidativer Stress, Übergewicht, Rauchen, Alkohol und psychologischer Stress.

 

Lässt sich die Eizellqualität beeinflussen?

Inzwischen sind sich Experten darüber einig, dass sich die Qualität der Eizellen tatsächlich bis zu einem gewissen Grad beeinflussen lässt. Als erfolgreich erweist sich dabei eine Kombination aus medizinischen (meist hormonellen) Maßnahmen mit einer Anpassung des Lebensstils. Unterstützend finden auch ernährungsmedizinische Therapien Einsatz.
Dieser vielseitige Ansatz kann der Eizelle eine Umgebung bieten, in der sie von schädlichen Einflüssen geschützt und bestens versorgt zu der ihr maximal möglichen Qualität heranreifen kann. Im Idealfall bedeutet dies eine Eizelle mit intakter Erbinformation und einem Zytoplasma, das einen ausgeglichenen Stoffwechsel hat und jede Menge Energie für die Entwicklung des neuen Lebens bereitstellen kann.

 

 

Referenzen:

Meldrum DR, Casper RF, Diez-Juan A, Simon C, Domar AD, Frydman R.
Aging and the environment affect gamete and embryo potential: can we intervene? Fertil Steril. 2016 Mar;105(3):548-559. doi: 10.1016/j.fertnstert.2016.01.013. Epub 2016 Jan 23.

David R. Meldrum, M.D. Introduction: Examining the many potential reasons why euploid blastocysts do not always result in viable pregnancies: part 1 2016; Volume 105, Issue 3, Pages 545–547

Über den Autor

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Die Diplom-Biologin und Ernährungsexperting Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky befasst sich seit vielen Jahren mit den Bedürfnissen von Kinderwunschpaaren. Für den „fruchtbarkeit-blog“ berichtet sie immer wieder in allgemein verständlicher Weise von aktuellen Forschungserkenntnissen rund um das Thema „Lifestyle und Ernährung bei Kinderwunsch.

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