Endometriose Ernährung

Was Frauen mit Endometriose über Antioxidantien wissen sollten

Was haben Prominente wie Susan Sarandon, Whoopi Goldberg, Lena Dunham und Daisy Ridley mit einer von zehn Frauen auf der ganzen Welt gemeinsam?

Bei ihnen wurde Endometriose diagnostiziert.

Endometriose

Medizinisch gesehen handelt es sich bei Endometriose um eine Östrogen-abhängige Unterleibserkrankung, die durch Implantation und Wachstum von endometrialem Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle gekennzeichnet ist. Sie betrifft etwa 10-15% der Frauen im reproduktiven Alter.  Die häufigsten Symptome der Krankheit sind Unterleibsschmerzen und Unfruchtbarkeit (Scutiero et al, 2017).

Schmerz

Für viele Endometriose-Patientinnen, die regelmäßig starke Schmerzen haben, kommt es nicht nur zu körperlichen Beeinträchtigungen. Die vielen Schmerzen erzeugen auch einen erheblichen psychologischen und emotionalen  Druck. Immer wieder nicht voll leistungsbereit zu sein, führt zu einer Vielzahl von Problemen bei der Arbeit und im Privatleben. Zudem dauert es oft sehr lange, bis frau eine zuverlässige Diagnose erhält.

Wenn alles, was du kennst, Schmerz ist, weißt du nicht, dass das nicht normal ist.  Es ist nicht das Los einer Frau zu leiden, auch wenn wir auf diese Weise erzogen wurden.

Es ist nicht in Ordnung, einen Teil des Lebens wegen Schmerzen und übermäßiger Blutungen zu verpassen.

Es ist nicht in Ordnung, zwei bis drei Tage im Monat bettlägerig zu sein

Es ist nicht in Ordnung, Schmerzen beim Sex zu haben

Es ist nicht in Ordnung, Blähungen oder Übelkeit zu haben.

Ms Susan Sarandon

Selbst-Empowerment durch Selbstmanagement

Selbst wenn die Diagnose endlich da ist, so bleibt die Krankheit doch chronisch und der Behandlungserfolg ist begrenzt. Viele Frauen wollen die Krankheit selbst unter Kontrolle haben, und sie suchen nach Instrumenten, um dies zu tun. Selbstmanagement ist ein wichtiges Mittel, um sich wieder mehr in Kontrolle über seine Situation zu fühlen. Laut einer nationalen australischen Online-Umfrage verwenden bis zu 76% der Frauen mit Endometriose Selbstmanagementstrategien, die aus einer Kombination verschiedener Ansätze wie beispielsweise Meditation, Bewegung und Ernährungsanpassung bestehen (Armour et al., 2019).

Ich muss wirklich gut darauf achten, 8 Stunden Schlaf pro Nacht zu bekommen, Alkohol und Zucker zu begrenzen und einmal pro Woche Akupunktur zu bekommen.

ESPN-Moderatorin Molly Qerim in einem Interview 2018 für den Blog The Blossom der Endometriosis Foundation of America.

Selbst-Empowerment beginnt mit Wissen

Auch wenn Sie vielleicht normalerweise kein großer Fan von Biochemie sind, mehr über die molekularen Mechanismen zu lernen, die zu Endometriose und Endometriose-bedingten Schmerzen beitragen, kann Ihnen helfen, Ihr Wohlbefinden erheblich zu verbessern!

Prof. Annemiek  Nap aus den Niederlanden gibt zu, dass die Gründe für das Auftreten einer Endometriose bislang leider noch nicht vollständig aufgeklärt ist (Huijs und Nap, 2020). Die am weitesten verbreitete Theorie ist die der retrograden Menstruation. Danach kann Endometriose dadurch auftreten, dass Menstruations“abfälle“ in die Bauchhöhle gelangen und sich dort festsetzen (Sampson, 1927). Jedoch leiden nicht alle Frauen mit retrograder Menstruation an Endometriose und es wird angenommen, dass verschiedene genetische, immunologische, ökologische und hormonelle Faktoren ebenfalls an der Entwicklung der Endometriose beteiligt sind (Huijs und Nap, 2020).

Oxidativer Stress

Einer dieser Faktoren ist oxidativer Stress. Es ist definiert als ein Ungleichgewicht zwischen reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) und Antioxidantien. Reaktive Sauerstoffspezies sind instabile Moleküle, die immer wieder im normalen Stoffwechsel entstehen können. Sie fungieren unter anderem als Entzündungsmediatoren, die Entzündungen fördern. Die meisten Zellen haben eine Reihe von schützenden Antioxidantien, die von Enzymen bis hin zu bekannten Nährstoffen wie Vitamin E und Vitamin C reichen. Diese Antioxidantien können die ROS-Produktion einschränken, sie inaktivieren und  sogar Zellschäden reparieren. Wenn aber das Gleichgewicht zwischen ROS-Produktion und antioxidativem Schutz gestört ist, kann oxidativer Stress auftreten und die Endometriose weiter fördern (Scutiero et al, 2017). Die Forschung hat gezeigt, dass die Schwere der Endometriose mit dem oxidativen Stress bei Patientinnen korreliert (Amreen et al, 2019)  und es scheint einen Teufelskreis zu geben, in dem Endometriose-bedingte Entzündungen oxidativen Stress und oxidativer Stress wiederum das Fortschreiten der Endometriose fördert (Huijs and Nap, 2020).

Oxidativer Stress verstärkt Schmerzen

Professor Nalini Santanam, Leiterin einer Arbeitsgruppe an der Marshall University in Huntington (West Virginia / USA), hat untersucht, welchen Einfluss oxidativer Stress auf das Schmerzempfinden bei Endometriosepatientinnen haben kann. Ihre Forschungsergebnisse wurden 2015 in der internationalen Fachzeitschrift „Pain“ (zu deutsch „Schmerz“) veröffentlicht (Ray et al, 2015).


Was die Wissenschaftler herausfanden, könnte einen großen Einfluss auf das Leben der Betroffenen haben:  Es scheint, dass Lipoproteine in der Peritonealflüssigkeit von Patientinnen, die durch oxidativen Stress verändert werden (oxidierte Lipoproteine), ein besonders starker Reiz für Schmerzsensoren in der Nähe von Endometrioseherden sind. Das bedeutet, dass oxidativer Stress (oft verursacht durch Endometriose-bedingte Entzündungen) direkt zu erhöhten Schmerzen führt!

Antioxidantien? Antioxidantien!

Erinnern Sie sich, dass die Gegenspieler von oxidativem Stress Verbindungen waren, die Antioxidantien genannt werden? Nun, die gute Nachricht ist, dass es scheint, dass die Versorgung von Endometriose-Patienten mit mehr Antioxidantien als üblich zu einer Schmerzlinderung führen kann (wenn nicht für alle, dann zumindest für viele Frauen). Prof. Santanam hatte dies bereits 2012 zeigen können. Zusammen mit Kollegen hatte sie eine Studie durchgeführt, um zu beurteilen, ob eine antioxidative Supplementierung mit einer Verbesserung von Endometriosesymptomen verbunden sei. In einer randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie erhielten Frauen mit Unterbauchschmerzen und Endometriose antioxidative Vitamine (Vitamin E und C). Die Forscher bewerteten das Schmerzgeschehen zu Anfang und in 2-wöchigem Abstand. Außerdem maßen sie Entzündungsmarker in der Peritonealflüssigkeit. Die Ergebnisse zeigten, dass sich chronische Schmerzen („Alltagsschmerzen“) nach der Behandlung mit Antioxidantien bei erstaunlichen 43% der Patientinnen in der antioxidativen Behandlungsgruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe verbesserten. In der Gruppe Patientinnen, die mit Antioxidantien behandelt worden waren, gingen außerdem Dysmenorrhoe („Schmerzen im Zusammenhang mit Menstruation“) und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr bei 37 % bzw. 24 % der Patientinnen zurück. In der Placebo-Gruppe berichteten hingegen nur 4 Patientinnen von einer Verbesserung ihrer Periodenschmerzen. Weitere Verbesserungen in ihrem Schmerzempfinden konnten sie nicht feststellen. Es gab auch eine signifikante Abnahme der Entzündungsmarker in der peritonealen Flüssigkeit nach antioxidativen Therapie im Vergleich zu Patientinnen, die keine Antioxidantien erhalten hatten.

Obwohl die Anzahl der Teilnehmerinnen an der Studie nicht so hoch war, wie wir es gerne hätten, und sicherlich größere Studien notwendig sind, um mehr über die Wirksamkeit einer antioxidativen Therapie zu lernen, kann jeder Frau, die an Endometriose-bedingten Schmerzen leidet, geraten werden, ein Ernährungs-Selbstmanagement zumindest zu versuchen. Ein Versuch kann quasi nicht schaden und es wurden keine Nebenwirkungen beobachtet.

Die Forscher Huijs and Nap, die die Wirksamkeit orthomolekularer Behandlungen bei Endometriose analysierten, fassten in ihrem Review-Artikel aus dem Jahr 2020 zusammen: 

„Alle Nährstoffe, die sich als wirksam bei der Unterdrückung von Endometriose-assoziierten Schmerzen erwiesen, hatten entzündungshemmende oder antioxidative Wirkung“

Mit einer entzündungshemmenden Ernährung mit vielen natürlichen Quellen von Antioxidantien wie Obst und Gemüse (Vitamin C), Nüsse und Samen (Vitamin E) kann jede betroffene Frau einfach und sicher einen tollen ersten Schritt in Richtung weniger Schmerzen und mehr Lebensqualität machen.

Viele Frauen mit Endometriose auf der ganzen Welt bestätigen, dass ein Ernährungs-Selbstmanagement mit reichlich Antioxidantien und entzündungshemmenden Nährstoffen zu Schmerzmanagement und allgemeinem Wohlbefinden beitragen können. Für diejenigen von Ihnen, die auf der Suche nach einer einfachen Option zur Unterstützung des Wohlbefindens sind, ist es gut zu wissen, dass es inzwischen sogar spezielle Mikronährstoffpräparate für das Diätmanagement bei Endometriose gibt.

 

Quellenangaben

Amreen S, Kumar P, Gupta P, Rao P. Evaluation of Oxidative Stress and Severity of Endometriosis. J Hum Reprod Sci. 2019 Jan-Mar;12(1):40-46. doi: 10.4103/jhrs.JHRS_27_17. PMID: 31007466; PMCID: PMC6472204.

Armour M, Sinclair J, Chalmers KJ, Smith CA. Self-management strategies amongst Australian women with endometriosis: a national online survey. BMC Complement Altern Med. 2019 Jan 15;19(1):17. doi: 10.1186/s12906-019-2431-x. PMID: 30646891; PMCID: PMC6332532.

Huijs E, Nap A. The effects of nutrients on symptoms in women with endometriosis: a systematic review. Reprod Biomed Online. 2020 Aug;41(2):317-328. doi: 10.1016/j.rbmo.2020.04.014. Epub 2020 May 15. PMID: 32600946.

Lete I, Mendoza N, de la Viuda E, Carmona F. Effectiveness of an antioxidant preparation with N-acetyl cysteine, alpha lipoic acid and bromelain in the treatment of endometriosis-associated pelvic pain: LEAP study. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2018 Sep;228:221-224. doi: 10.1016/j.ejogrb.2018.07.002. Epub 2018 Jul 6. PMID: 30007250.

Ray K, Fahrmann J, Mitchell B, Paul D, King H, Crain C, Cook C, Golovko M, Brose S, Golovko S, Santanam N. Oxidation-sensitive nociception involved in endometriosis-associated pain. Pain. 2015 Mar;156(3):528-39.

Sampson JA. Peritoneal endometriosis due to the menstrual dissemination of endometrial tissue into the peritoneal cavity. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 1927; 14(4): 422-469.

Santanam N, Kavtaradze N, Murphy A, Dominguez C, Parthasarathy S. Antioxidant supplementation reduces endometriosis-related pelvic pain in humans. Transl Res. 2013 Mar;161(3):189-95. doi: 10.1016/j.trsl.2012.05.001. Epub 2012 May 31. PMID: 22728166; PMCID: PMC3484190.

 Scutiero G, Iannone P, Bernardi G, Bonaccorsi G, Spadaro S, Volta CA, Greco P, Nappi L. Oxidative Stress and Endometriosis: A Systematic Review of the Literature. Oxid Med Cell Longev. 2017;2017:7265238. doi: 10.1155/2017/7265238. Epub 2017 Sep 19. PMID: 29057034; PMCID: PMC5625949.

Über den Autor

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Die Diplom-Biologin und Ernährungsexperting Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky befasst sich seit vielen Jahren mit den Bedürfnissen von Kinderwunschpaaren. Für den „fruchtbarkeit-blog“ berichtet sie immer wieder in allgemein verständlicher Weise von aktuellen Forschungserkenntnissen rund um das Thema „Lifestyle und Ernährung bei Kinderwunsch.

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