PCOS

Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) und seelische Gesundheit (Psyche)

Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) ist eine äußerst vielschichtige Erkrankung, die auch die seelische Gesundheit betrifft. So leiden Frauen mit PCOS deutlich häufiger als andere unter Angststörungen und Depressionen. Auch ein erhöhtes Risiko für Zwangsstörungen, bipolare Störungen und Essstörungen wird vermutet.

Wie PCOS die Psyche belastet

Warum genau PCOS-Patientinnen vermehrt mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, ist noch nicht genau bekannt. Aber es gibt einige sehr gute Vermutungen und Ideen dazu.

Sicherlich stellen für viele Patientinnen die PCOS-Symptome selbst eine nicht unerhebliche psychische Belastung dar. Unfruchtbarkeit, Übergewicht, unreine Haut und Hirsutismus (übermäßige Gesichts- und Körperbehaarung) führen zu Stress und Sorgen  

Aber auch die typischen Veränderungen des Hormonhaushaltes bei PCOS könnten ursächlich sein. Vermutlich weiß jede Frau, wie stark hormonelle Turbulenzen sich auch in Normalzeiten auf das psychische Wohlbefinden auswirken können – man denke nur an die emotionalen Turbulenzen kurz vor “den Tagen“, während einer Schwangerschaft, kurz nach einer Geburt oder auch zB unter dem Einfluss künstlicher Hormone (nicht umsonst sind Depressionen eine bekannte Nebenwirkung der Antibabypille).  Da liegt es nahe, dass auch die hormonellen Turbulenzen, die für PCOS so typisch sind, einen Einfluss auf die Psyche Betroffener haben können.

Denkbar ist auch, dass Menschen mit PCOS, die unter Ängsten oder Depressionen leiden, veränderte Nerven-Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, haben. In einer Studie wurde beispielsweise gezeigt, dass PCOS-Patientinnen, die einen niedrigen Serotoninspiegel hatten und auch bei anderen Neurotransmittern niedrigere Werte aufwiesen, häufiger von Symptomen von Depressionen und Ängsten berichteten. Neurotransmitter wie Serotonin (ein chemischer Botenstoff im Nervensystem, der mit positiven Gefühlen zusammenhängt) spielen eine wichtige Rolle bei Depression und Ängsten.

Wie können PCOS-Patientinnen ihre psychische Gesundheit verbessern?

Der Gang zum Arzt / zur Ärztin

Wenn auch Sie unter PCOS leiden und immer wieder deprimiert oder ängstlich sind oder Stimmungsschwankungen bei sich feststellen, so ist es wichtig, nicht alles mit sich selbst abzumachen, sondern mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin über Ihre Probleme und Sorgen zu sprechen. Auch wenn es sich gerade vielleicht nicht so anfühlt: Es gibt mehr Hilfsmöglichkeiten als Sie vermuten!

Psyche und Lebensstil

Unterstützend zu den medizinischen Möglichkeiten, die Sie mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin besprechen können, können auch Sie selbst einiges dafür tun, dass es Ihnen besser geht. Man weiß aus vielen Untersuchungen, dass ein aktiver Lebensstil bei den meisten Menschen dazu beiträgt, die psychische Gesundheit zu verbessern. Sie sollten sich aber darüber bewusst sein, dass eine entsprechende Umstellung des Lebensstils nicht so schnell wie ein Medikament wirkt, sondern dass es hier eher auf langfristige und dafür nachhaltige Effekte ankommt.

Studien zeigen, dass Menschen mit PCOS, die regelmäßig Sport treiben, durchschnittlich deutlich weniger häufig Symptome von Angst und Depression haben. Messbar ist der Effekt auf Depressionen ab einer sportlichen Betätigung mit mäßigem Anstrengungslevel von mindestens 2,5 Stunden pro Woche.

Achten Sie daher darauf, sich mindestens 2,5 Stunden pro Woche Zeit für Bewegung zu nehmen. Erlaubt ist, was Spaß macht und gefällt. Überlasten Sie sich aber nicht und steigern Sie langsam, nur so bleiben Sie dabei. Und Sie ahnen schon: Hier geht es nicht um 2 Wochen im Januar, das soll etwas Langfristiges werden 😊

Also gerne mal nachdenken: Was würde mir Spaß machen? Musik aufdrehen und in der Wohnung mal so richtig abtanzen? Ein Spaziergang im Wald? Bei einer Radtour die Umgebung erkunden? Vielleicht gar ein neues Hobby ausprobieren?

Und wenn die Zeit knapp ist: Wo kann ich statt des Aufzuges mal die Treppe nehmen? Kann ich auf dem Weg zur Arbeit evtl. das letzte Stück mal zu Fuß gehen? Laufe ich  mal ins Nachbarbüro rüber für ein persönliches Gespräch statt eine Email zu schreiben (ich habe gerade gelesen, das sei auch wesentlich umweltfreundlicher – je nach Kollege*in oft auch netter) – seien Sie gerne kreativ 🌺

Sie haben etwas gefunden? Super! Nun gilt es noch, in Ihrem Leben auch insofern für ein Gleichgewicht zu sorgen, dass neben mehr Aktivität auch die Entspannung Ihren regelmäßigen Platz haben sollte. Ideal sind Achtsamkeitsübungen, aber auch Yoga, geführte Entspannung, Atemübungen und Meditation könnte die Symptome von Angststörungen bei Menschen mit PCOS lindern.

Nahrungsergänzung

Es ist bekannt, dass Medikamente wie Metformin, die dem Körper dabei helfen, Insulin zu nutzen, auch die Symptome von Depression bei Menschen mit PCOS verbessern können. Alternativ dazu und wesentlich schonender, übernimmt der natürliche Nahrungsbestandteil Inositol, den es auch als Nahrungsergänzungsmittel gibt, die gleiche Funktion.

Auch die Einnahme von Omega-3 Fettsäuren – entweder allein in Fischöl oder in Kombination mit Vitamin D – scheint Depressionen und Ängste bei Menschen mit PCOS häufig lindern zu können.

Leider ist die Zahl der wissenschaftlichen Untersuchungen zu dem Thema noch recht begrenzt, aber es kann nicht schaden, einmal selbst für sich auszutesten, was davon gut tut 😊

Haben Sie selbst auch schon eigene Erfahrungen mit einer Umstellung Ihrer Lebensweise und Ernährung gemacht? Haben Sie bereits Nahrungsergänzungsmittel verwendet?

Schreiben Sie uns in den Kommentaren!

Quellenangaben

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Über den Autor

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Die Diplom-Biologin und Ernährungsexperting Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky befasst sich seit vielen Jahren mit den Bedürfnissen von Kinderwunschpaaren. Für den „fruchtbarkeit-blog“ berichtet sie immer wieder in allgemein verständlicher Weise von aktuellen Forschungserkenntnissen rund um das Thema „Lifestyle und Ernährung bei Kinderwunsch.

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