Fruchtbarkeit von Frau & Mann

Unerfüllter Kinderwunsch – Triclosan in der Kritik

Unerfüllter Kinderwunsch kann viele Ursachen haben. Immer wieder gibt es auch Hinweise auf Chemikalien in unserer Umwelt, die zu der Problematik beitragen können. BPA, ein Bestandteil vieler Kunststoffe, steht schon seit längerem ganz oben auf der Liste bedenklicher Stoffe. Nun gerät auch ein Desinfektionsmittel unter Verdacht.

Hinweise auf negative Auswirkungen von Triclosan

Jahrzehntelang als harmlos deklariert und beinahe routinemäßig in Flüssigseifen, Mundwässer, Duschgels und viele weitere Produkte gemischt, gilt die Chemikalie Triclosan neuerdings als gesundheitsschädliches Gift. Triclosan soll nicht nur zu Hormonstörungen, sondern auch Antibiotikaresistenzen Vorschub leisten. Umweltschutzorganisationen warnen zudem, dass Triclosan unter Lichteinwirkung Dioxin freisetzt und dieses sich in großen Mengen in den Gewässern anreichern kann.

Die medizinische Nutzung von Triclosan begann bereits vor mehr als 40 Jahren. Triclosan wurde ursprünglich vor allem als chemisches Desinfektionsmittel mit Wirksamkeit gegen Bakterien und Pilze eingesetzt. Da es darüber hinaus desodorierend und konservierend wirkt, findet es heute vielfältige Nutzung in Alltagsprodukten wie etwa Deodorants, Zahnpasten oder Haushaltsreinigern. 2005 wurden in der EU etwa 350 Tonnen Triclosan verbraucht.

Mehrere Studien weisen jedoch auf einen Zusammenhang zwischen Triclosan und Leberschäden, sowie Krebs bei Mäusen hin. Eine Studie, die 2015 im renommierten Fachblatt Fertility and Sterility veröffentlicht wurde, zeigt nun zudem, dass sich die Chemikalie auch negativ auf die weibliche Fruchtbarkeit auswirken kann.

Triclosan beeinträchtigt weibliche Fruchtbarkeit

Maria Vélez und ihre Mitarbeiter untersuchten in dieser Studie den Einfluss von Umweltchemikalien auf die Empfängnisbereitschaft von Frauen. Besonderen Wert legten sie dabei auf das bereits eingangs erwähnte Bisphenol A, bestimmte Weichmacher in Kunststoffen (Phtalate) und eben Triclosan. Insgesamt 2001 Frauen nahmen zwischen 2008 und 2011 an der Studie teil, wovon 1699 auch auf Triclosan getestet wurden. Das Ergebnis: Frauen, die besonders viel Triclosan im Blut hatten ( < 72 ng/ml) brauchten wesentlich länger, um auf natürlichem Wege schwanger zu werden, als Frauen mit einer geringeren Belastung.

Ärzte fordern Verbot in Alltagsprodukten

Daher fordern Experten nun den Verbot des Einsatzes von Triclosan in Alltagsprodukten. Die EU konnte sich bisher aber nur zu einem Verbot in Lebensmitteln und Tierfutter durchringen, in allen anderen Produkten ist die Verwendung von Triclosan weiterhin erlaubt..
Die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin befürwortet darüber hinaus ein komplettes Verbot von Triclosan in Kosmetika, Reinigungsmitteln, Textilien und Schuhen und eine Restriktion der Verwendung in der Medizin auf Anwendungsgebiete, in denen es keine Alternativen gibt.

Beim Einkauf auf die Zutat Triclosan achten

Wer auf Triclosan schon jetzt verzichten möchte, der prüfe die Etiketten sämtlicher Kosmetik- und Reinigungsprodukte, da Triclosan in jedem Fall deklariert werden muss. Die antimikrobielle Ausrüstung von Kleidung und Textilien mit Triclosan wird meist besonders angepriesen, so dass man auch um diese Produkte ganz bewusst einen großen Bogen machen kann.

Quelle:
Vélez MP, Arbuckle TE, Fraser WD. Female exposure to phenols and phthalates and time to pregnancy: the Maternal-Infant Research on Environmental Chemicals (MIREC) Study. Fertil Steril. 2015 Apr;103(4):1011-1020.e2. doi: 10.1016/j.fertnstert.2015.01.005. Epub 2015 Feb 11.

Über den Autor

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Die Diplom-Biologin und Ernährungsexperting Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky befasst sich seit vielen Jahren mit den Bedürfnissen von Kinderwunschpaaren. Für den „fruchtbarkeit-blog“ berichtet sie immer wieder in allgemein verständlicher Weise von aktuellen Forschungserkenntnissen rund um das Thema „Lifestyle und Ernährung bei Kinderwunsch.

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