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Coronavirus Covid-19: Wissenswertes zu Schwangerschaft und Empfängnis

In diesen besonderen Zeiten der Coronavirus-Krise fragen sich besonders  auch Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere, was dies für sie persönlich bedeutet.

Die gute Nachricht zuerst: Die Europäische Gesellschaft für menschliche Fortpflanzung und Embryologie (ESHRE) hat in ihrer Erklärung vom 14. März 2020 mitgeteilt, dass es keine starken Beweise für negative Auswirkungen einer Covid-19-Infektion auf Schwangerschaften gäbe, insbesondere in frühen Stadien, wie die neuesten Aktualisierungen der Zentren für Krankheitsvorsorge und -kontrolle (CDC) in den USA und anderen in Europa zeigen. (1,2)

Es gibt einige Berichte von Fällen, in denen Frauen, die positiv waren für Covid-19, gesunde Säuglinge gebaren (3). Es gab zwar leider auch Berichte über Frühgeburten, aber die Berichte basierten auf sehr begrenzten Daten. (4) Ebenso wurde ein Fallbericht über ein infiziertes Kind veröffentlicht, aber auch hier gab es keine stichhaltigen Beweise dafür, dass dies das Ergebnis einer vertikalen Übertragung war. (5)

Diese Daten sind zum Glück ermutigend, basieren aber nur auf geringen Fallzahlen und müssen daher mit Vorsicht interpretiert werden. Sie beziehen sich auf Schwangerschaften in ihrer Endphase. Leider gibt es  aber bisher keine Informationen über die mögliche Wirkung einer Covid-19-Infektion auf Schwangerschaften in ihren Anfangsstadien. (6)

Angesichts dieser Informationen und der bei anderen Coronavirus-Infektionen (wie SARS) gemeldeten mütterlichen und neonatalen Ergebnisse empfiehlt ESHRE daher  einen Vorsorgeansatz. (7) Es ist auch wichtig zu beachten, dass einige medizinische Behandlungen für schwer infizierte Patienten Arzneimittel beinhalten, die bei Schwangeren kontraindiziert sind. 

Als Vorsichtsmaßnahme – und im Einklang mit der Position anderer wissenschaftlicher Gesellschaften in der Reproduktionsmedizin – rät ESHRE daher allen Fruchtbarkeitspatienten, die eine Behandlung in Betracht ziehen oder planen, auch wenn sie die diagnostischen Kriterien für eine Covid-19-Infektion nicht erfüllen, zu diesem Zeitpunkt nicht schwanger zu werden. Für Patienten, die bereits eine Behandlung haben, wird das Einfrieren von Eizellen und/oder Embryonen für eine spätere Embryoübertragung vorgeschlagen.

ESHRE rät ferner, dass Patienten, die schwanger sind oder Männer und Frauen, die eine Fruchtbarkeitsbehandlung planen oder sich der Fruchtbarkeitsbehandlung unterziehen, Reisen in bekannte Infektionsgebiete und den Kontakt mit potenziell infizierten Personen vermeiden sollten.

Neben diesen und den anderen üblichen Vorsichtsmaßnahmen empfehlen viele Experten eine Impfung gegen Grippe, nicht zuletzt um eine Doppelinfektion von COVID-19/ SARS-CoV-2 und Influenza zu vermeiden. Dies gilt sowohl für ungeimpfte Schwangere, als auch ungeimpfte Frauen mit Kinderwunsch. Ein Risiko für die Schwangere durch die Impfung gegen das Influenza Virus besteht nicht, da es sich hier um einen sogenannten Totimpfstoff handelt. Eine Schwangerschaft stellt daher keine Kontraindikation für eine Grippeimpfung dar. Eine Impfung gegen Influenza ist Schwangeren sogar ausdrücklich angeraten. Die Ständige Impfkommission in Deutschland (STIKO) empfiehlt die Influenza-Impfung allen Schwangeren ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (z.B. Asthma oder Diabetes) ab dem 1. Schwangerschaftsdrittel.

 

 

  1. https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/prepare/pregnancy-breastfeeding.html?CDC_AA_refVal=https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/specific-groups/pregnancy-faq.html
  2. https://www.rcog.org.uk/globalassets/documents/guidelines/coronavirus-covid-19-infection-in-pregnancy-v2-20-03-13.pdf
  3. Chen H, Guo J, Wang C, et al. Klinische Merkmale und intrauterines vertikales Übertragungspotenzial der COVID-19-Infektion bei neun Schwangeren: eine retrospektive Überprüfung der Krankenakten. Lancet 2020; doi.org/10.1016/S0140-6736(20)30360-3
  4. Liu Y, Chen H, Tang K, Guo Y. Klinische Manifestationen und Ergebnis der SARS-CoV-2-Infektion während der Schwangerschaft. J-Infektion 2020; doi.org/10.1016/j.jinf.2020.02
  5. Wang X, Zhou Z, Zhang J, et al. A case of 2019 Novel Coronavirus in a pregnant woman with preterm delivery. Clinical Infectious Diseases 2020; doi.org/10.1093/cid/ciaa200
  6. Liang H, Acharya G. Novel corona virus disease (COVID-19) in pregnancy: What clinical recommendations to follow? AOGS 2020; doi.org/10.1111/aogs.13836
  7. Schwartz DA, Graham AL. Potential and maternal infant outcomes from coronavirus 2019-nCoV (SARS-CV2) infecting pregnant women: Lessons from SARS, MERS, and other coronavirus infection. Viruses 2020; doi.org/10.3390/v12020194

    Weitere Quellen

    https://www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019

    https://www.iffs-reproduction.org/page/COVID-19

    https://www.acog.org/Clinical-Guidance-and-Publications/Practice-Advisories/Practice-Advisory-Novel-Coronavirus2019

    https://www.asrm.org/news-and-publications/news-and-research/press-releases-and-bulletins/covid-19-suggestions-on-managing-patients-who-are-undergoing-infertility-therapy-or-desiring-pregnancy/

Über den Autor

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Die Diplom-Biologin und Ernährungsexperting Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky befasst sich seit vielen Jahren mit den Bedürfnissen von Kinderwunschpaaren. Für den „fruchtbarkeit-blog“ berichtet sie immer wieder in allgemein verständlicher Weise von aktuellen Forschungserkenntnissen rund um das Thema „Lifestyle und Ernährung bei Kinderwunsch.

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