Autoimmune Schilddrüse Ernährung

Warum es gerade bei Hashimoto so wichtig ist, ausreichend Gemüse und Obst zu verzehren

Fünf Portionen Obst und Gemüse empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung täglich. Eine Portion entspricht dabei in etwa der Größe einer Faust. Kardiologen in England gehen sogar noch weiter und nennen zehn Portionen als anzustrebende Menge. Immer mehr zeigt sich: gerade auch Patienten und Patientinnen mit autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen wie beispielsweise Morbus Basedow oder Hashimoto würden von einer solchen Ernährungsweise ebenfalls deutlich profitieren.

 

Bei Hashimoto handelt es sich heute um die häufigste Autoimmunerkrankung überhaupt. Damit es zum Ausbruch kommt, das weiß man, kommen oft eine ganze Reihe von Sachen zusammen: Betroffene Personen haben meist eine genetische Veranlagung. Aus Zwillingsstudien weiß man, dass der Einfluss des Erbgutes bei ungefähr 55 % liegt, also etwas mehr als die Hälfte ausmacht. Fast genauso wichtig sind Einflussfaktoren, die zu dieser genetischen Veranlagung hinzukommen: Dazu gehören eine ganze Reihe äußerer Einflüsse, die das Immunsystem so triggern, dass es fälschlich körpereigene Zellen angreift. Manche davon, wie zum Beispiel bestimmte Erkrankungen, die zum Ausbruch beitragen können, können wir leider nicht verhindern, aber es gibt zum Glück auch eine ganze Reihe von Faktoren, die wir selbst in der Hand haben.

 

Zu diesen gehört die Ernährung.

Was weiß man über die Ernährung speziell bei autoimmuner Schilddrüsenerkrankung?

Wir wissen heute beispielsweise, dass es vorteilhaft ist, ein gesundes Körpergewicht beizubehalten. Ein zu hohes Körpergewicht erhöht nämlich oxidativen Stress und dieser befördert wiederum die Erkrankung. Wie das funktioniert, dazu unten noch mehr.

 

Aus einer relativ aktuellen Untersuchung aus dem Jahr 2021 ist zudem bekannt, dass eine vorwiegend pflanzenbasierte Kost bei autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen zu bevorzugen ist

Einschränkend muss dabei allerdings gesagt werden, dass (obwohl natürlich pflanzlichen Ursprungs) Weizenprodukte, die viel Gluten enthalten, von Patienten mit autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen besser nur in geringen Mengen verzehrt werden sollten. Hintergrund ist die Beobachtung, dass ein häufiger Glutenverzehr Im Bereich unseres Darms zu immunologischen Veränderungen führen kann. welche dann anscheinend auch andere Autoimmunereignisse begünstigen können. So wird sehr häufig beobachtet, dass eine Glutenunverträglichkeit und Schilddrüsenautoimmunität gleichzeitig auftreten. Umgekehrt konnte in vielen Untersuchungen gezeigt werden, dass das überreaktive Immunsystem von Patienten mit Autoimmunerkrankungen davon profitiert, wenn der Reiz durch Gluten wegfällt oder zumindest reduziert wird.

 

Warum, so fragen Sie sich vielleicht, ist nun aber eine pflanzenbasierte Ernährung gerade für Patienten mit einer Autoimmunerkrankung so vorteilhaft? Nun, man glaubt, dass diese Ernährungsform zum einen weniger Inhaltsstoffe enthält, die entzündliche Prozesse im Körper begünstigen und zum anderen besonders reich ist an wertvollen Antioxidantien.

Take-home-message

  • Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht
  • Vorwiegend pflanzenbasierte Kost
  • Wenig Gluten

Autoimmune Schilddrüsenerkrankung und oxidativer Stress

Gemüse und Obst sind ohne Zweifel die Hauptquellen unserer Ernährung für wertvolle Antioxidantien. Das sind die Gegenspieler für schädliche Sauerstoffradikale in unserem Körper.

Untersuchungen der letzten Jahre haben ergeben, dass letztere bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse verstärkt auftreten. So konnten Wissenschaftler*innen in einer Publikation aus dem Jahr 2015 belegen, dass der Anteil schädlicher reaktiver Sauerstoffspezies zunahm, je stärker die Schilddrüse aus dem Takt geraten war und leider gleichzeitig auch die Menge schützender Antioxidantien bei den Patienten*innen abgenommen hatte. Das Fatale: das Auftreten solcher reaktiver Sauerstoffradikale verschlechtert die Autoimmunsituation deutlich. Das liegt daran, dass durch vermehrte Sauerstoffradikale im Körper oxidativer Stress entsteht. Von oxidativem Stress spricht man immer dann, wenn es im Körper durch ein Übermaß an schädlichen Oxidantien und einem Mangel an schützenden Antioxidantien zu oxidativen Schädigungen kommt. Diese betreffen im Grunde fast jeden Anteil unserer Körperzellen. Sie reichen von Schädigungen der Zellmembran über Veränderungen wichtiger Signalvorgänge bis hin zu Schädigungen der wertvollen Erbinformation.

Teufelskreis aus oxidativem Stress und Entzündung

So geschädigte Zellen wiederum senden Signalstoffe aus, die das Immunsystem auf dem Plan rufen und Entzündungen fördern. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, denn Entzündungen verursachen selbst ebenfalls wieder erhöhten oxidativen Stress.

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen ist es für Patienten*innen mit autoimmuner Schilddrüsenerkrankung besonders wichtig, auf ein gesundes Körpergewicht zu achten, denn sowohl ein stark erhöhtes als auch ein starker erniedrigtes Körpergewicht erhöhen oxidativen Stress im Körper. Außerdem sollten Patienten und Patientinnen auf eine pflanzenbasierte Ernährung achten, wobei sich ein nur geringer Anteil an glutenhaltigen Weizenprodukten als vorteilhaft erwiesen hat. Natürlich sollte die Ernährung, um eben jenem oxidativen Stress entgegen zu wirken, besonders reich an wertvollen, möglichst biologisch angebauten, saisonalen und regionalen Gemüse und Obst sein. Das liefert dem Körper schützende Antioxidantien und hilft, oxidativen Stress zu senken. Davon profitiert dann das Autoimmungeschehen in der Schilddrüse. Viele Patienten und Patientinnen berichten von einem deutlich verbesserten Wohlbefinden durch eine solche Ernährungsweise.

Unterstützende Mikronährstoffe

 

Unterstützend empfiehlt es sich zudem, auf eine adäquate Versorgung mit bestimmten Mikronährstoffen zu achten. Bei autoimmuner Schilddrüsenerkrankung ist hier vor allem die angemessene Versorgung mit Vitamin D, sowie Zink, Selen, Magnesium und Eisen zu nennen. Von Jod sollte es dagegen möglichst nicht zu viel sein. Während Vitamin D selbst wichtige regulierende Funktion für unser Immunsystem hat, so sind die genannten Mineralien und Spurenelemente wichtige Cofaktoren für eine Vielzahl von Enzymen im Körper und als solche auch entscheidend an unserem antioxidative Schutzsystem beteiligt. Sollten Sie in einem dieser Bereiche eine Unterversorgung haben, so kann die gezielte Ergänzung sinnvoll sein.  

Quellen

 

Ates I, Yilmaz FM, Altay M, Yilmaz N, Berker D, Güler S. The relationship between oxidative stress and autoimmunity in Hashimoto’s thyroiditis. Eur J Endocrinol. 2015 Dec;173(6):791-9. doi: 10.1530/EJE-15-0617. Epub 2015 Sep 4. PMID: 26340971.

Ates I, Arikan MF, Altay M, Yilmaz FM, Yilmaz N, Berker D, Guler S. The effect of oxidative stress on the progression of Hashimoto’s thyroiditis. Arch Physiol Biochem. 2018 Oct;124(4):351-356. doi: 10.1080/13813455.2017.1408660. Epub 2017 Nov 29. PMID: 29185364.

Giannakou M, et al. The effect of obesity and dietary habits on oxidative stress in Hashimoto’s thyroiditis. Endocr Connect. 2018 Sep 1;7(9):990-997.

Hu S, Rayman MP. Multiple Nutritional Factors and the Risk of Hashimoto’s Thyroiditis. Thyroid. 2017 May;27(5):597-610. doi: 10.1089/thy.2016.0635. Epub 2017 Apr 6. PMID: 28290237.

Krysiak R, Szkrobka W, Okopein B. The Effect of Gluten-Free Diet on Thyroid Autoimmunity in Drug-Naïve Women with Hashimoto’s Thyroiditis: A Pilot Study. Exp Clin Endocrinol Diabetes. 2018 Jul 30; doi: 10. 1055/a-0653-7108. 

Liontiris MI, Mazokopakis EE. A concise review of Hashimoto thyroiditis (HT) and the importance of iodine, selenium, vitamin D and gluten on the autoimmunity and dietary management of HT patients.Points that need more investigation. Hell J Nucl Med. 2017 Jan-Apr;20(1):51-56.

Ruggeri RM, et al. Influence of Dietary Habits on Oxidative Stress Markers in Hashimoto’s Thyroiditis. Thyroid. 2021 Jan;31(1):96-105.

 

Über den Autor

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Die Diplom-Biologin und Ernährungsexperting Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky befasst sich seit vielen Jahren mit den Bedürfnissen von Kinderwunschpaaren. Für den „fruchtbarkeit-blog“ berichtet sie immer wieder in allgemein verständlicher Weise von aktuellen Forschungserkenntnissen rund um das Thema „Lifestyle und Ernährung bei Kinderwunsch.

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