Allgemein Fertilitätsbehandlung

#PimpMyEgg: Natürliche Steigerung der Eizellqualität

Als Frau Mitte bis Ende 30, die sich Hochglanzmagazine ansieht, kann man leicht schnell frustriert sein. Es gibt eine scheinbar endlose Liste von Prominenten, die Mitte bis Ende 40 oder sogar Anfang 50 Mutter werden. Das neueste Beispiel ist Supermodel Naomi Campbell. Unabhängig davon, wie viele Prominente ihren Babybauch oder ihr Neugeborenes zeigen, ist eine grundlegende biologische Wahrheit leider dennoch immer noch, dass die Fruchtbarkeit mit zunehmendem Alter abnimmt.

Altersbedingte Abnahme der Fruchtbarkeit

In den letzten vier Jahrzehnten haben Frauen in den Industrieländern aufgrund kultureller und sozialer Veränderungen die Familienplanung meist nach hinten verschoben. Dieser Trend ist noch ausgeprägter, wenn Sie sich Patientinnen ansehen, die Kinderwunschkliniken besuchen. Es ist leider bekannt, dass die Lebendgeburtenraten bei Frauen über 35 sowohl bei natürlicher Empfängnis als auch nach Kinderwunschbehandlung deutlich niedriger sind als bei jüngeren Frauen.

Eine gesunde Schwangerschaft erfordert das Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren, die von neuroendokrinen bis zu uterinen reichen, sowie eine gute Eizellqualität erfordern. Angesichts der Tatsache, dass reifere Frauen nach einer Eizellspende eine ebenso gute Lebendgeburtenrate aufweisen können wie jüngere, glauben die meisten Experten, dass die Eizellqualität der Hauptfaktor für den altersbedingten Rückgang der Fruchtbarkeit ist.

Was macht ältere Eizellen anders?

Eizellen befinden sich seit der Geburt im Körper einer Frau und altern auch mit ihr. Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass alternde Eizellen eine Reihe von Veränderungen aufweisen, die ihre Qualität beeinträchtigen. Es gibt zum einen verschiedene Arten von Veränderungen an ihren Chromosomen und sie haben auch eine verringerte Fähigkeit, DNA-Schäden zu reparieren. Darüber hinaus haben sie einen deutlich geringeren Energiegehalt. Während es wahrscheinlich ist, dass all diese Faktoren gleichzeitig zum Rückgang der Fruchtbarkeit beitragen, hat insbesondere der niedrigere Energiegehalt das wissenschaftliche Interesse geweckt, da er ein interessantes Ziel für neuartige Therapiestrategien darstellt.

Energie bewegt die Welt

Fragen Sie ein beliebiges Grundschulkind in Ihrem Bekanntenkreis und es weiß vermutlich über Einstein Bescheid. Eine seiner wichtigsten Errungenschaften war ohne Zweifel, dass er erklären konnte, dass am Ende alles, was wirklich zählt, Energie in ihren verschiedenen Formen ist. Und das gilt auch für unseren Körper – bis hin zu seinen kleinsten Einheiten, den Zellen. In fast jeder Zelle unseres Körpers gibt es spezielle zelluläre Organellen, die der Energieerzeugung dienen. Sie werden Mitochondrien genannt und oft als Zellkraftwerke bezeichnet.

Mitochondrien sind aus vielen Gründen wirklich faszinierende zelluläre Organellen. Sie werden von der Mutter an die Kinder weitergegeben und enthalten sogar ihre eigene spezifische DNA (mtDNA). Sie sind in der Lage, die Nährstoffe, die wir mit unserer Nahrung aufnehmen, in die universelle Energiewährung unseres Körpers umzuwandeln, die Adenosintriphosphat oder kurz ATP genannt wird. Es überrascht nicht, dass Eizellen zu den Zellen gehören, die mit die meisten Mitochondrien aufweisen. Die Vorgänge der Eizellreifung und die ersten Stadien der Embryonalentwicklung erfordern schließlich enorme Mengen an Energie.

Mitochondrien, Energie und Eizellqualität

Der zelluläre Energiegehalt hängt nicht nur mit der Anzahl der Mitochondrien zusammen, sondern auch mit ihrer Funktion. Abweichungen in Quantität, Qualität und Funktion der Mitochondrien sind assoziiert mit einer schlechten Fruchtbarkeit und Störungen wie z. B. einer verminderten ovariellen Reserve (DOR), vorzeitiger ovarieller Alterung  (POA) und ovarieller Alterung insgesamt. Mitochondrien sind daher ein sinnvolles therapeutisches Ziel in Fällen von Unfruchtbarkeit, die durch Faktoren wie schlechte Eizellqualität, Eizellalterung oder mitochondriale genetische Erkrankungen der Mutter verursacht sind.

Mitochondriale Ersatztherapie (MRT) – vielversprechend, aber kein Standardverfahren

Eine recht invasive und noch nicht weit verbreitete Therapieoption ist die mitochondriale Ersatztherapie (MRT vom englischen Mitochondrial Replacement Therapy). Dabei verwenden Ärzte heterologe (von Spendern) oder autologe (aus eigenem Gewebe) Mitochondrien, um den gesunden Zustand der Eizelle wiederherzustellen. Das funktioniert entweder durch Erhöhen der Menge der Mitochondrien (z. B. partieller Ooplasmatransfer, autologer Mitochondrientransfer) oder durch Ersetzen abnormaler mütterlicher Mitochondrien (z. B. Pronuklei-Transfer, Spindeltransfer, Polkörpertransfer).

Autologe Mitochondrien, die aus gesundem Gewebe extrahiert und geschädigtem Gewebe zugeführt werden, wurden zuerst zur Behandlung von Neugeborenen mit Herzinsuffizienz verwendet. Von vielen IVF-Experten wird der autologe Mitochondrientransfer heute als die vielversprechendste therapeutische Technologie angesehen. Dies liegt hauptsächlich daran, dass kein Spender benötigt wird. Die klinische Wirksamkeit ist jedoch immer noch umstritten und es wird sehr wahrscheinlich noch viele Jahre intensiver Forschung erforderlich sein, bevor diese Technik zu einem Standardverfahren wird.

Einfache und sichere natürliche Behandlung: Orthomolekulare Therapie

Die gute Nachricht ist, dass es eine einfache und sichere natürliche Behandlungsmethode gibt, um die mitochondriale Aktivität bei gesunden Frauen ab Mitte 30 zu verbessern. Sie ist nicht invasiv, dafür kostengünstig und ideal für Frauen, die auf natürliche Weise die Mitochondrienfunktion verbessern möchten. Sie heißt orthomolekulare Therapie. Die orthomolekulare Therapie ist eine Form der Alternativmedizin, die darauf abzielt, die Gesundheit durch gezielte Nahrungsergänzung zu erhalten. Aus mitochondrialer Sicht ist der Mikronährstoff Coenzym Q10 (CoQ10) ein wichtiger Akteur.

Mitochondrialer Nährstoff Coenzym Q10

Coenzym Q10 wirkt in der inneren Mitochondrienmembran und ist für die mitochondriale Energiesynthese essentiell. Während Kinder und junge Erwachsene Coenzym Q10 endogen in ausreichenden Mengen produzieren, nimmt die Gewebekonzentration mit dem Alter ab und die Expression von Enzymen, die an der CoQ10-Synthese beteiligt sind, ist in unreifen Eizellen älterer Frauen ebenfalls deutlich verringert.

Es wurde gezeigt, dass die Ergänzung von Coenzym Q10 die Fruchtbarkeitsbehandlung bei Patientinnen ab Mitte 30 wirksam unterstützt und die Eizellenqualität signifikant verbessert.

Supplementierung mit Coenzym Q10 verbessert Eizellqualität

Ein kanadisches Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Yaakov Bentov war eines der ersten, das nachwies, dass die Ergänzung von Coenzym Q10 durch Unterstützung der Energieerzeugung die genetische Gesundheit von Eizellen verbessern, die Anzahl an Embryonen mit guter Qualität erhöhen und die klinische Schwangerschaftsrate steigern kann.

Heute legen andere Studien nahe, dass CoQ10 auch die Funktion von Cumuluszellen (eine Gruppe von Zellen, die die Eizelle umgeben und an den Prozessen der Reifung und Befruchtung der Eizellen beteiligt sind) unterstützen, schädlichen oxidativen Stress reduzieren und den Zelltod in postovulatorisch gealterten Eizellen verhindern kann. Darüber hinaus nimmt SIRT4, von dem erstmals festgestellt wurde, dass es in postovulatorisch gealterten Eizellen hochreguliert ist, nach der CoQ10-Behandlung ab. Sirtuin 4, auch bekannt als SIRT4, ist ein mitochondriales Protein, das beim Menschen vom SIRT4-Gen kodiert wird. Es gehört zu der Sirtuin-Gruppen von Genen, von denen bekannt ist, dass sie Veränderungen im Stoffwechselstatus von Zellen vermitteln und Alterskrankheiten wie Neurodegeneration, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs regulieren.

Anwendung

Wenn auch Sie diese natürliche Behandlungsoption ausprobieren möchten, wählen Sie einfach Fruchtbarkeitsvitamine mit Coenzym Q10 und nehmen Sie sie einmal täglich zum Frühstück ein. Studien deuten darauf hin, dass eine dreimonatige Behandlung empfehlenswert ist.

Referenzen

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Ben-Meir A, Burstein E, Borrego-Alvarez A, Chong J, Wong E, Yavorska T, Naranian T, Chi M, Wang Y, Bentov Y, Alexis J, Meriano J, Sung HK, Gasser DL, Moley KH, Hekimi S, Casper RF, Jurisicova A. Coenzyme Q10 restores oocyte mitochondrial function and fertility during reproductive aging. Aging Cell. 2015 Oct;14(5):887-95. doi: 10.1111/acel.12368. Epub 2015 Jun 26. PMID: 26111777; PMCID: PMC4568976.

 

Bentov Y, Hannam T, Jurisicova A, Esfandiari N, Casper RF. Coenzyme Q10 Supplementation and Oocyte Aneuploidy in Women Undergoing IVF-ICSI Treatment. Clin Med Insights Reprod Health. 2014 Jun 8;8:31-6. doi: 10.4137/CMRH.S14681. PMID: 24987272; PMCID: PMC4071761.

 

Bentov Y, Casper RF. The aging oocyte–can mitochondrial function be improved? Fertil Steril. 2013 Jan;99(1):18-22. doi: 10.1016/j.fertnstert.2012.11.031. PMID: 23273985.

 

Jiang Z, Shen H. Mitochondria: emerging therapeutic strategies for oocyte rescue. Reprod Sci. 2021 Mar 12. doi: 10.1007/s43032-021-00523-4. Epub ahead of print. PMID: 33712995.

 

Xing X, Zhang J, Zhang J, Wang Y, Wang J, Kang J, Quan F, Su J, Zhang Y. Coenzyme Q10 supplement rescues postovulatory oocyte aging by regulating SIRT4 expression. Curr Mol Pharmacol. 2021 Apr 19. doi: 10.2174/1874467214666210420112819. Epub ahead of print. PMID: 33881976.

 

Über den Autor

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Die Diplom-Biologin und Ernährungsexperting Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky befasst sich seit vielen Jahren mit den Bedürfnissen von Kinderwunschpaaren. Für den „fruchtbarkeit-blog“ berichtet sie immer wieder in allgemein verständlicher Weise von aktuellen Forschungserkenntnissen rund um das Thema „Lifestyle und Ernährung bei Kinderwunsch.

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