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Autoimmunthyreoiditis: Die Bedeutung von Jod und Selen

Bei einer Autoimmunthyreoiditis handelt es sich um eine Erkrankung der Schilddrüse, bei der der Körper selbst in einer sogenannten Autoimmunreaktion die Schilddrüse angreift. Diese schmetterlingsförmige Hormondrüse findet sich unterhalb des Kehlkopfes und reguliert über die Bildung jodhaltiger Schilddrüsenhormone den Energiestoffwechsel und das Wachstum. Je nach genauem Zielpunkt einer autoimmunen Attacke kann es sowohl zu einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose, Morbus Basedow) als auch zu einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose, Hashimoto Thyreoiditis) kommen.
Für Betroffene ist es wichtig, etwas über die besondere Bedeutung von Jod und Selen bei diesem Krankheitsbild zu wissen.

Ein Schilddrüsenexperte mit Weltruf ist der griechische Hormonexperte Prof Dr Duntas. In Griechenland geboren und mit medizinischer Ausbildung in Italien und Deutschland, hat er langjährige Forschungsarbeit auf diesem Gebiet geleistet. Sein Wissen gibt der heute 64-jährige sowohl an seine Studenten an der Universität von Athen, aber auch an die gesamte Forschungsgemeinde im Rahmen zahlreicher Fachartikel weiter. Im September 2015 betonte er im Rahmen eines Artikels im renommierten Fachblatt Hormone and Metabolic Research einmal mehr die besondere Bedeutung der Mineralstoffe Jod und Selen für die Schilddrüsenfunktion im Allgemeinen und in der besonderen Situation der autoimmunen Schilddrüsenerkrankung.
Während eine ausreichende Versorgung mit Jod für die gesunde Schilddrüsenfunktion absolut notwendig ist, so gilt auch hier offensichtlich der alte Leitspruch der Medizin: „Die Menge macht das Gift“ (Paracelsus (1493–1541).
Der gesunde Mensch hat einen täglichen Jodbedarf von 180-200 µg. Diese Menge lässt sich meist unproblematisch über Fisch, Milch und Milchprodukte sowie Jodsalz und damit hergestellte Produkte erreichen.
Ein Zuviel an Jod ist dagegen nicht wünschenswert, denn eine Überversorgung mit Jod (über 300 µg pro Tag), so Duntas, erhöhe deutlich das Risiko, an einer Autoimmunthyreoiditis zu erkranken. Bei anfälligen Personen führe die regelmäßige hohe Einnahme von Jod zu molekularen Veränderungen in den Schilddrüsenzellen, die schlussendlich zu einem Absterben von Schilddrüsengewebe führen könnten. Daher sollten Hashimoto-Patienten mit aktiver Entzündung vorsorglich auf Jod- und Algentabletten, auf jodhaltige Heilwässer oder algenhaltige japanische Speisen wie zum Beispiel Sushi verzichten.

Ganz anders hingegen, so der Schilddrüsenexperte, verhalte es sich mit dem Spurenelement Selen. Bei Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion (Typ Hashimoto) , Schilddrüsenüberfunktion und auch bei Patienten mit endokriner Orbitopathie (einer Erkrankung der Augenhöhle (Orbita), die sich mit einem deutlichen Hervortreten der Augen (Exophthalmus) bemerkbar macht) finden sich häufig erniedrigte Selenwerte im Blut. Selen ist über seinen Einbau in sogenannte Selenoproteine an antioxidativen und antientzündlichen Vorgängen beteiligt und verleiht dadurch indirekt Schutz vor dem starken Voranschreiten einer Autoimmunthyreoiditis. Daher empfiehlt Professor Duntas eine regelmäßige Kontrolle des Selenstatus bei Patienten mit autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen.

Zudem sollten sie bei der täglichen Ernährung auf eine ausreichende Versorgung mit dem Spurenelement achten. Es ist vor allem in fester Nahrung zu finden – in Trinkwasser und anderen Getränken kommt es nur in geringen Mengen vor. Zu den selenhaltigen Lebensmittel zählen Fisch, Fleisch, Leber, Getreideprodukte, Sesam, Milch, Gemüse und Nüsse. Um die empfohlene Tagesdosis von 50 Mikrogramm Selen aufzunehmen, sollte man 200 g Fisch, 350 g Fleisch oder 200 g Eier verzehren.

Eine gewisse Sicherheit bieten Betroffenen auch spezielle Nahrungsergänzungsmittel (zB Fertilovit®FThy). Besonders empfehlenswert sind diese vor einer geplanten Schwangerschaft oder zur Unterstützung des Wohlbefindens als Kur während der Wintermonate. Nicht selten benötigen Patienten dann geringere Medikamentendosen für die optimale Schilddrüseneinstellung, was wiederum etwaige Nebenwirkungen reduzieren kann.

Quelle:
Duntas LH The Role of Iodine and Selenium in Autoimmune Thyroiditis. Horm Metab Res. 2015 Sep;47(10):721-6. doi: 10.1055/s-0035-1559631. Epub 2015 Sep 11.

Über den Autor

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Die Diplom-Biologin und Ernährungsexperting Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky befasst sich seit vielen Jahren mit den Bedürfnissen von Kinderwunschpaaren. Für den „fruchtbarkeit-blog“ berichtet sie immer wieder in allgemein verständlicher Weise von aktuellen Forschungserkenntnissen rund um das Thema „Lifestyle und Ernährung bei Kinderwunsch.

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