Allgemein Fruchtbarkeit von Frau & Mann

Eizellspende vorbereiten

Für immer mehr Frauen und Paare stellt eine Eizellspende eine wertvolle Option auf dem Weg zum Wunschkind dar.

Das Verfahren wird vor allem in Erwägung gezogen, wenn aufgrund des Alters keine befruchtungsfähigen Follikel mehr bei der zukünftigen Mutter vorhanden sind. Auch bei bestimmten Erkrankungen oder bei schwerwiegenden genetischen Problemen kann eine Eizellspende von Interesse sein.

Rechtliche Situation der Eizellspende

In Deutschland ist das Verfahren aufgrund des Embryonenschutzgesetzes nicht zugelassen. Da eine Eizellspende in Europa aber unterschiedlich gesetzlich geregelt ist, reisen immer mehr betroffene Paare für eine Behandlung in das europäische Ausland. Ist diese erfolgreich und die Frau wird schwanger, so wird die Frau dann in Deutschland gemäß der Richtlinien des Mutterschutzgesetzes ganz normal weiter betreut.

Verfahren der Eizellspende im Überblick

Für eine Eizellspende werden einer Spenderin eine oder mehrere Eizellen entnommen (Punktion). Diese Eizellen werden dann künstlich mit den Spermien des zukünftigen Vaters befruchtet (IVF / ICSI). Praktisch bedeutet dies, dass der Mann für seine Spende am Punktionstag vor Ort in der Fruchtbarkeitsklinik sein muss. Ist das Sperma des Mannes vor Ort konserviert, genügt die Anreise zum späteren Embryonentransfer. Auskunft über die genaue Anzahl der Eizellen und die Befruchtungsrate erhalten die Paare in der Regel am ersten Tag nach der Punktion / Befruchtung. Meist verbleiben die befruchteten Eizellen zunächst einige Tage in Kultur und werden dann der zukünftigen Mutter in die Gebärmutter eingesetzt (Embryonentransfer) oder für einen späteren Transfer kryokonserviert.

Für ein Gelingen dieser Behandlung müssen die Zyklen beider Frauen, also sowohl der Spenderin als auch der zukünftigen Mutter, möglichst perfekt aufeinander abgestimmt werden. Dazu erhält die Empfängerin genaue Anweisungen aus dem IVF-Zentrum, welches die Eizellspende durchführt. Diese sollten so genau wie möglich befolgt werden.
Nach dem Transfer wird die 2. Zyklushälfte der Empfängerin zusätzlich mit Progesteron unterstützt. Ein Schwangerschaftstest kann ca. 12 – 14 Tage später durchgeführt werden.

Was ist zu bedenken?

Neben medizinischen Erwägungen spielen für die meisten Paare auch ethische, religiöse, finanzielle und organisatorische Themen eine Rolle. So manche Frage kann und muss jedes Paar nur für sich selbst beantworten, oft hilft dabei der Austausch mit anderen. Spezialisierte Unternehmen können praktische Hilfestellung leisten (z.B. FertiTravel).
Nicht zu unterschätzen ist auch die Frage, wie und wann Sie das ersehnte Kind über seine besondere Zeugungsgeschichte aufklären möchten. Die Erfahrung zeigt: Jeder Mensch fragt sich früher oder später, woher er stammt. Auch wenn Kinder, die durch eine Eizellspende gezeugt wurden, absolute Wunschkinder sind, so möchten sie doch häufig wissen, wer die Spenderin ist. Viele Fachleute empfehlen eine frühzeitige Aufklärung des Kindes, damit Probleme in der Eltern-Kind-Beziehung erst gar nicht entstehen.

Erfolgsaussichten der Eizellspende optimieren

Haben Sie sich einmal zu einer Eizellspende entschlossen, so können Sie selbst einen Beitrag zum Gelingen der Behandlung leisten. Obwohl ein Erfolg naturgemäß von vielen Faktoren abhängt, können Sie jedoch bestimmte Änderungen an ihren Lebensstil einführen, um die Behandlung effektiver zu machen. Alle Empfehlungen dazu zielen darauf ab, dem werdenden Leben möglichst ideale Bedingungen für sein „Ankommen“ zu bieten. Gut zu wissen: Alles, was man tun kann, um die Einnistung zu verbessern, sollte bereits vor dem Transfer geschehen. Die Einnistung des oder der Embryonen selbst lässt sich nicht erzwingen. Um sie auf der anderen Seite aber auch nicht zu stören, sollten sicherheitshalber das schnelle und schwere Heben von Lasten lieber unterlassen werden. Auch von Sportarten mit einem hohen Unfallrisiko wird abgeraten.

Genau wie die Gesundheit der zukünftigen Mutter, trägt natürlich auch die Gesundheit und Spermienqualität des Vaters zum Gelingen der Kinderwunschbehandlung per Eizellspende bei.
Generell raten Experten beiden Partner, spätestens 3 Monate vor einer geplanten Behandlung vermehrt auf eine gesunde Lebensführung und Ernährung zu achten.

Das können Sie bereits ca 3 Monate vor dem geplanten Transfer beachten

Gesundes Gewicht
Über-, Untergewicht sowie Mangelernährung können zu Komplikationen während der Schwangerschaft führen. Achten Sie daher auf die Erhaltung eines gesunden Körpergewichtes und eine Ernährung, die ausgewogen und vollwertig ist.

Koffein
Da Kaffee, Tee oder Energy-Drinks Koffein enthalten, sollten sie nur maßvoll verzehrt werden.

Medikamente
Einige Arzneimittel können die Behandlung stören, daher sollten Sie Ihren behandelnden Arzt über alle Medikamente informieren, die Sie verwenden. Bitte vergessen Sie dabei auch pflanzliche Präparate sowie Nahrungsergänzungsmittel nicht.

Rauchen
Es gibt Hinweise, dass das Rauchen die Erfolgschancen der in vitro Behandlung reduziert. Raucher weisen häufig eine schlechtere Spermienqualität auf und Raucherinnen haben ein größeres Risiko, eine Schwangerschaft nicht auszutragen.

Folsäure auch vor Eizellspende
Wie auch sonst bei Kinderwunsch, sollte sichergestellt werden, dass der mütterliche Folsäurespeicher gut gefüllt ist – mindestens 400 µg Folsäure täglich, besser noch 800 µg, werden empfohlen. Haben Sie Vorerkrankungen wie Hashimoto, Endometriose oder PCOS, empfiehlt sich ein Folsäurepräparat, das auf Ihre Situation zugeschnitten ist (z.B. Fertilovit®).

Gebärmutterschleimhaut
Für die erfolgreiche Einnistung des Embryos von Bedeutung ist auch eine gut aufgebaute Gebärmutterschleimhaut. Sie sollte möglichst einen zweischichtigen Aufbau (erkennbar an drei Linien im Ultraschall), sowie eine angemessene Dicke von >7 mm aufweisen.
Um den Aufbau der Gebärmutter zu fördern, kann frau zusätzlich zur hormonellen Medikation auch anderweitig einen Beitrag leisten.

Ernährung
Eine vergleichsweise neue Studie aus dem Jahr 2016 gibt hier erste Hinweise: Die Ernährung scheint wesentlich zu sein. Die Forscher konnten beispielsweise einen verbesserten Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und eine höhere Schwangerschaftsrate bei einer Vollwerternährung (etwa 30 Gramm Vollkorn täglich) zeigen (Gaskins et al, 2016).

Durchblutung
Weiter scheint eine verbesserte Durchblutung der Gebärmutterschleimhaut die Einnistung des Embryos zu fördern. Daher sollte auf eine ausreichende Trinkmenge von mindestens 2 l täglich geachtet werden. Ideal sind Wasser und ungezuckerte Tees, stark zuckerhaltige Limonaden gelten als ungünstig.

Vitamin D
Auch eine angemessene Vitamin D-Versorgung scheint nötig für einen guten Aufbau der Gebärmutterschleimhaut zu sein (Lerchbaum 2014). Zudem wirkt sie sich neueren Untersuchungen zufolge auch positiv auf das Milieu in der Gebärmutter aus (Salamonsen et al, 2016, Ciu et al, 2017). Da viele Frauen, gerade in den Wintermonaten, nicht ausreichend versorgt sind, kann es daher Sinn machen, vorbereitend zu einer Eizellspende etwas Vitamin D ergänzend einzunehmen. Doch Vorsicht: Hohe Dosierungen sollten nicht ohne Feststellung einer echten Unterversorgung verwendet werden, denn auch eine Überversorgung ist nicht unproblematisch. Zu empfehlen sind daher Präparate, die eine Versorgung mit 100 % der empfohlenen Tagesdosis enthalten.

Auch die Wirkung weiterer Mikronährstoffe wurde von der Wissenschaft beleuchtet.

Vitamin E
Eine Untersuchung zur zusätzlichen Einnahme von Vitamin E bei einer Kinderwunschbehandlung zeigten eine verbesserte Gebärmutterschleimhaut (Cicek et al, 2012).

Vitamin B-Komplex
Weitere Studien zeigten, dass auch Vitamine aus dem B-Komplex wichtig sind. So war die Vitamin B12 Serumkonzentration assoziiert mit höheren Lebendgeburtraten nach IVF (Gaskins et al, 2015) und eine angemessene Niacin-Versorgung (Vitamin B3) wird seit einer vielbeachteten Studie vom Sommer 2017 (Shi et al, 2017) ebenfalls als sehr wichtig bewertet. Besonders Frauen mit Übergewicht, Typ II Diabetes, sowie Entzündungen sind in Gefahr einer Unterversorgung (Baker et al, 2002). Für eine gute Durchblutung weiter wichtig ist auch das Vitamin B6, das zusammen mit der oben erwähnten Folsäure und dem Vitamin B12 dafür sorgt, dass sich kein schädliches Homocystein ansammeln kann.

Vitamin C
Vitamin C gehört zu den wasserlöslichen Antioxidantien. Ein neuer Übersichtsartikel von 2017 des renommierten Cochrane Institutes bescheinigte gerade Frauen, die Probleme mit dem Kinderwunsch haben, Vorteile einer guten Antioxidantienversorgung (Showell et al, 2017)

Für den Mann
Stärken Sie Ihre Spermien mit Zink, Selen und wertvollen Antioxidantien. Aufgepasst! Spermien sind sensibel und benötigen keine Unmengen an Mikronährstoffen, sie können sogar recht ungehalten auf Überdosierungen reagieren. Gehen Sie daher auf Nummer sicher und verwenden Sie nur Präparate, die für die Spermiengesundheit vorgesehen sind.

Fazit

Zusammenfassend ist bei einer Eizellspende eine gesundheitsbewusste Lebensweise zu empfehlen mit einem besonderen Augenmerk auf eine ausreichende Trinkmenge und einer Ernährung, die reich ist an Vollkornprodukten. Ergänzend dazu ist eine Nahrungsergänzung mit Folsäure sowie mindestens den Vitaminen B, C, D und E einen Versuch wert, zumal bei sinnvoller Dosierung keine Nebenwirkungen zu erwarten sind. Für den zukünftigen Vater empfiehlt sich die Ergänzung der normalen Ernährung mit Zink, Selen und wertvollen Antioxidantien.

Referenzen

Baker et al: Vitamin profile of 563 gravidas during trimesters of pregnancy. J Am Coll Nutr 2002; 21: 33-7
Cicek et al: Vitamin E effect on controlled ovarian stimulation of unexplained infertile women. J Assist Reprod Genet 2012; 29:325–328
Cui et al., Nutrition, microRNAs, and Human Health. Adv Nutr. 2017 Jan 17;8(1):105-112. doi: 10.3945/an.116.013839. Print 2017 Jan.
Gaskins et al: Association between serum folate and vitamin B-12 and outcomes of assisted reproductive technologies. Am J Clin Nutr. 2015 Oct; 102(4): 943–950
Gaskins: EARTH Study Team Maternal whole grain intake and outcomes of in vitro fertilization. Fertil Steril. 2016 Jun;105(6):1503-1510.
Lerchbaum and Rabe: Vitamin D and female fertility. Curr Opin Obstet Gynecol. 2014 Jun;26(3):145-50.
Liu W et al. MicroRNA and Embryo Implantation. Am J Reprod Immunol. 2016 Mar;75(3):263-71. doi: 10.1111/aji.12470. Epub 2015 Dec 28.
Quintanilha BJ et al. Nutrimiromics: Role of microRNAs and Nutrition in Modulating Inflammation and Chronic Diseases. Nutrients. 2017 Oct 27;9(11). pii: E1168. doi: 10.3390/nu9111168.

Salamonsen LA et al. The Microenvironment of Human Implantation: Determinant of Reproductive Success. Am J Reprod Immunol. 2016 Mar;75(3):218-25. doi: 10.1111/aji.12450. Epub 2015 Dec 12.
Shi et al. NAD Deficiency, Congenital Malformations, and Niacin Supplementation. 2017; N Engl J Med 2017;377:544-52

Showell et al: Antioxidants for female subfertility. Cochrane Database Syst Rev. 2017 Jul 28;7

Yuval Y, Lipitz S, Dor J, Achiron R: The relationship between endometrial thickness, and blood flow and pregnancy rates in in-vitro fertilization. Hum Reprod. 2000; 14: 1067-1071,

Über den Autor

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky

Die Diplom-Biologin und Ernährungsexperting Dr. rer. nat. Birgit Wogatzky befasst sich seit vielen Jahren mit den Bedürfnissen von Kinderwunschpaaren. Für den „fruchtbarkeit-blog“ berichtet sie immer wieder in allgemein verständlicher Weise von aktuellen Forschungserkenntnissen rund um das Thema „Lifestyle und Ernährung bei Kinderwunsch.

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